Von Oktober 2013

An dieser Stelle würde ich ja gerne etwas positives zum niedersächsischen Wolfsmanagementplan schreiben - es gibt nur leider nichts zu vermelden, nur Stillstand, während sich die Wölfe munter weiter vermehren und hier und da auch mal Schafe reißen!

Bisher gibt es in Niedersachsen (Stand Oktober 2013) im Gegensatz zu einigen anderen Bundesländern (mit viel weniger Wölfen) weder Konzepte zum Herdenschutz, noch finanzielle Unterstützung, wenn Schäfer auf präventive Schutzmaßnahmen setzen. Unserer Meinung nach macht hier aber auch nur ein bundeseinheitliches System Sinn, denn den Wolf interessiert nicht, ob es ein niedersächsisches oder holsteinisches Schaf ist. Entschädigungszahlungen im Rissfalle gibt es in Niedersachsen auch nur bei einem 100%igen Nachweis, dass es ein Wolf war, in anderen Bundesländern reicht der Verdachtsfall.
Die offiziellen Stellen setzen hier auch weiterhin auf Heimlichtuerei, anstatt gerade auch besonders betroffene Betriebe schon im Verdachtsfalle bei den ersten Hinweisen zu warnen und zu unterstützen. Diese Verfahrensweise stößt nicht nur bei Schafhaltern auf absolutes Unverständnis. Begründet wird dies seitens der Landesjägerschaft damit, dass man damit Wolftourismus verhindern wolle, allerdings fördern solch hanebüchene Begründungen nicht gerade das Vertrauen in das System, sondern bewirken genau das Gegenteil.

Die Akzeptanz des Wolfes gerade bei denen, die direkten Schaden durch die Rückkehr erleiden können, nämlich den Nutztierhaltern, wird dadurch garantiert nicht verbessert. Und wer glaubt, dass große Teile der Jägerschaft die Rückkehr des Wolfes begrüßen, ist ebenfalls auf dem Holzweg.

Nach einer aktuellen Pressemeldung des niedersächsischen Umweltministeriums sollen jetzt zeitnah Informationen zu Nutztierrissen weitergegeben werden. Im Grunde eine Farce, denn Schaf- und Ziegenhalter bekommen diese Meldung genauso zeitnah durch die Presse oder den "Flurfunk" mitgeteilt.

Wir Schäfer fordern, dass die Schafzuchtverbände SOFORT bei glaubhaften Hinweisen (sog. C3), bestätigten Nachweisen (C1 & C2) oder gar Rissen informiert werden, damit diese ihre Mitglieder sofort warnen können. Dies wäre problemlos möglich, wenn der eingesetzte Wolfberater und Rissgutachter verpflichtet wäre, seinen Einsatz auch dem zuständigen Verband umgehend zu melden!

Ich befürchte, solange die Verantwortlichen die Dringlichkeit nicht erkennen (wollen), werden die Prioritäten an den falschen Stellen gesetzt. Sie müssen ja auch nicht damit leben, eines Morgens zur Koppel zu kommen und Tiere die ihnen etwas bedeuten, tot oder schwer verletzt und zerrissen verzufinden. Darüber hinaus sind sie auch nicht darauf angewiesen, ihr täglich Brot damit zu verdienen und mit den Folge-schäden zu leben und sind bedauerlicherweise auch nicht persönlich für Fehlentscheidungen haftbar.

Die niedersächsischen Schäfer und Schafhalter hatten dabei auch eine Menge Hoffnungen in die neue rot-grüne Landesregierung gelegt, dass diese sich ein Beispiel an Schleswig-Holstein nehmen würde, wo bereits beim ersten ortstreuen Wolf ein entsprechendes Konzept erarbeitet und umgesetzt wurde.

Diese Hoffnungen wurden bisher bitter enttäuscht!

Auch Schäfer und ihre Familien sind Wähler...