Von März 2011

Hier veröffentlichen wir einen Leserbrief, den wir an eine Zeitschrift für Schaf- und Ziegehalter geschickt haben. Er bezieht Stellung zu einer Ausschreibung der Stadt Dortmund zur Pflege der Grünflächen im Stadtgebiet. Leider wurde er nicht veröffentlicht, nicht einmal geantwortet wurde uns von der Redaktion. Unseres Wissens gab es zahlreiche Briefe von Schafhaltern, einige bekamen auch eine Begründung, warum ihr Leserbrief abgelehnt wurde: Geld! Anscheinend ist dieser Zeitung die sicherlich nicht ganz geringe Einnahme wichtiger, als die Meinungen und Interessen ihrer wichtigsten Kunden - Wir, die Schaf- und Ziegenhalter - !!!

 

Liebe Stadt Dortmund,

mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige in der Schafzucht gelesen.
Es wird Ihnen sicher nicht schwer fallen, bei einem derart großzügigen Angebot, Schäfer zu finden, die sich darum reißen, die von Ihnen angebotenen Flächen zu beweiden.

Aber lassen Sie mich ein wenig ins Detail gehen:
Die Flächen sind nicht eingezäunt und öffentlich zugänglich.
Das ist toll, Schafe freuen sich bekanntlich immer über Besuch, besonders wenn zu erwarten ist, dass dieser sie auch innerhalb ihrer vom Schäfer angebrachten Umzäunung aufsuchen wird.
Noch besser, wenn der Besuch sogar seine Hunde mitbringt, dieser Gedanke liegt ja in Anbetracht der unter anderem durch Hundekot verunreinigten Flächen nicht allzu fern.
Schafe und Hunde können dann prima miteinander Fangen spielen - und alle sind beschäftigt!

Die Flächen sind teilweise durch Unrat (was immer das bedeutet) verunreinigt, der Eigentum des Auftragnehmers wird und fachgerecht zu entsorgen ist.
Ich bin begeistert von Ihrem Weitblick!
Sie sparen den Bürgern Steuern, indem Sie sich nicht mehr mit eigenem Personal um die Entsorgung kümmern müssen, und gleichzeitig sorgen Sie dafür dass der Schäfer, der mit Sicherheit nicht über persönliche Reichtümer verfügt, vielleicht noch verwertbare Dinge für seinen eigenen Haushalt oder gar in Ebay oder auf dem Schrottplatz Verkäufliches findet.

Die Flächen müssen nachgemäht und das Schnittgut entsorgt werden.
Wow, schon wieder eine Steuerersparnis für den Bürger.
Vielleicht berechnen Sie dem Schäfer noch die Entsorgung des Schnittgutes an städtischen Sammelstellen, dann lässt sich daran sogar doppelt verdienen, denn dass er dies als Winterfutter verwenden kann, ist nicht zu erwarten.

Ihr Anforderungsprofil an den Schäfer ist ausgesprochen bescheiden. Jeder Berufsschäfer, der über eine Herdengröße zwischen 200 und 300 Tieren verfügt (mir ist allerdings niemand bekannt, der die Schäferei mit einer derart geringen Herdengröße überhaupt hauptberuflich betreiben kann), und in der unmittelbaren Umgebung von Dortmund wohnt, muss sich ja förmlich um die von Ihnen angebotenen Flächen reißen.
Besonders weil diese teilweise so klein sind (ca. 1.500 m²), das spart ungemein Zeit, denn dort kann man die Herde sogar ohne Einzäunung weiden lassen - die paar Stunden geht das schon!
Und falls die Fläche doch mal ein bisschen größer ist, kein Problem, heutzutage verfügt doch quasi jeder über ein Zelt das man dann dort aufschlägt, um auch nachts die Betreuung der Herde zu sichern.
Apropos, in diesem Zusammenhang hätte ich da noch eine Frage:
Da Sie ja schreiben, die Zäune seien schon des öfteren geöffnet worden und Tiere aus diesem Grund ausgebrochen, genehmigen Sie den Einsatz von Herdenschutzhunden?
Kleinere Verluste unbefugter Eindringlinge sind doch sicher zu verschmerzen, oder?
Oder kann der Schäfer alternativ dazu auch schnell noch einen Waffenschein machen (da könnten Sie schon wieder an den Gebühren verdienen), um dann seine Tiere mit technischen Mitteln verteidigen zu können?
Wenn das polizeiliche Führungszeugnis stimmt, ist das mit dem Waffenschein doch sicher auch kein Problem, oder?

Am allerbesten an Ihrer Anzeige gefällt mir aber die ausgesprochen üppige Entlohnung, die der zukünftige Schäfer erhalten soll.
Wie?
Dazu haben Sie sich gar nicht geäußert?
Oh ich bitte um Entschuldigung, sicher gingen Sie davon aus, dass die kostenlose Zur-Verfügung-Stellung der Flächen eine ausreichende Entlohnung darstellt.
Oder haben Sie vielleicht erwogen, dem Schäfer die Nutzung der Flächen doch noch in Rechnung zu stellen?
Wie auch immer Sie sich diesbezüglich entscheiden werden, ich bin sicher, dass Sie sich vor Anfragen kaum retten können und wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung Ihres Vorhabens.
Wir brauchen mehr solcher Angebote, dann wird die Zahl der Schäfer und Schafherden in Deutschland in naher Zukunft sicher dramatisch ansteigen.