Eines der allerersten Dinge die ein Herdenschutzhund lernen muß, ist dass der Weidezaun als Grenze akzeptiert wird. Schon als kleiner Welpe müssen sie lernen, dass Stromzaun weh tut. Wichtig dabei ist, dass die Hunde dies nicht mit ihrem Herrchen oder den später zu schützenden Tieren verbinden, sondern diese nach berühren sofort als die großen "Tröster" zur Verfügung stehen. Man muß sich also geschickt in der Fläche positionieren und nicht außerhalb der Weide und den Welpen gar an den Zaun locken. Aufgrund der Größenverhältnisse macht es allerdings Sinn, Welpen zuerst auf die normalen Hütenetze "los zu lassen" und erst wenn sie das auf der Festplatte verankert haben, so wie hier ein Welpe von sechs Monaten, die Hunde auf einfache Litzen zu trainieren. Wenn ein HSH das richtig gespeichert hat, ist der selbst hinter einer einzigen Litze zu halten - im Gegensatz zu manchem Schaf...

 

Auch Herdenschutzhunde müssen sich ab und an mit ihren Artgenossen austoben und das ist auch in Ordnung so. Auch wenn sowas mal kurzzeitig für Unruhe in der Herde sorgen kann, so trägt es doch zur allgemeinen Harmonie bei, denn junge Hunde könnten sonst vor Langeweile auf die Idee kommen, ihren Spieltrieb mit den Schafen auszuleben und das muß unbedingt vermieden werden. Hat man hier erst die Sachen schleifen lassen, hat man irgendwann den Salat und muß es dem Hund mühsam abgewöhnen.

So sieht eine gute Sozialisierung von Schaf mit Hund aus. Die Herde liegt entspannt im Schatten und ein Mutterschaf gesellt sich hier gerade zu Kangal-Hündin Ziva.

 

Ab und zu ist es auch mal erforderlich, einen eigenen Wurf zu haben. Zumindest wenn man selber eine höhere Anzahl Herdenschutzhunde benötigt und selber Welpen behält. Immerhin dauert es zwei bis drei Jahre, bis ein Herdenschutzhund voll ausgereift ist. Außerdem ist es erheblich sicherer, wenn man pro Herde zwei bis drei Hunde stehen hat. Darüber hinaus ist es für den Hund auch besser, wenn er trotz guter Sozialisierung einen Artgenossen hat und auch kann es ja mal sein, dass ein Hund mal krank oder verletzt ist, bzw. eines Tages auf`s Altenteil geht und seinen Lebensabend hinterm Ofen verdient hat. Man sollte sich also vorher schon rechtzeitig Gedanken machen, wieviel Hunde man benötigt, damit am Tag-X nicht plötzlich eine Lücke im Herdenschutz klafft, die nicht kurzfristig geschlossen werden kann. Kurzfristig von Außerhalb einen einsatzbereiten Hund als Ersatz zu bekommen, ist da reine Glückssache!

 

Zwei Kangalhündinnen im Alter von einem halben Jahr.Unsere Auszubildenden am Schafstall in der Vareler Heide. Hier sind sie lediglich in der Lammzeit zur Sozialisierung mit den Mutterschafen und Lämmern, sobald die ersten Muttern wieder in die Naturschutzgebiete in die Grenzgebiete der Landkreise Rotenburg, Harburg & Heidekreis ziehen, sind sie dort in den entlegenen Gebieten mit den Herden unterwegs.

 

 

 

Manchmal harmoniert eine echte Männer-WG am besten. Pyrie-Rüde Ali passt am liebsten auf die Bockherde auf, besonders dicke ist er mit Deckbock Bodo. Die zwei sind unzertrennlich und ziehen meistens "Schulter an Schulter in den Sonnenuntergang". Bock Bodo läuft mittlerweile immer mit Ali mit an den Zaun, wenn die Herde verteidigt werden muß. Wenn Bodo während der Deckzeit in einer Mutterschfherde steht, wird Ali mit ihm zusammen dorthin versetzt.

 

Das Empfangskomitee steht bereit, die Mutterlämmer Arielle und Pebbles sind quasi die Schatten der Hunde. Besonders Pebbles scheint eine Ausbildung zum Herdenschutzschaf zu machen, da sie, sobald die Hunde anschlagen, sofort blökend mitrennt, um den möglichen Eindringling zu verjagen…

 

Da die Hunde uns nur ein bis zweimal täglich zu sehen bekommen, fällt bisweilen die Begrüßung schon mal recht rustikal aus… Bevor irgendwelche Arbeiten durchführt werden können, fordern sie erst mal ihre Streicheleinheiten ein. Das soll aber nicht dazu verleiten zu glauben, dass sie jeden anderen Besucher ohne unser Beisein auch so freundlich begrüßen würden. Nein, das tun sie nicht!

 

Schafe und Hunde sind voll miteinander sozialisiert, auch mit den frisch geborenen Lämmern gibt es keine Probleme, sie werden neugierig beschnüffelt, damit hat es sich aber dann auch schon. Auch nutzen die Hunde dieselben Tränken und Füttertröge wie die Schafe, ohne dass es zu Streitereien untereinander kommt. Wer wem im Weg steht, wird einfach beiseite gerempelt und gut ist…Man sollte aber trotzdem ein Auge drauf haben, da Lämmer zum Rumtoben neigen und davon könnte sich ein Hund animiert fühlen mitzumachen. Aufgrund der Größenverhältnisse sollte man dieses bei den Hunden verhindern. Ebenso sollte man auch andere Spielereien seitens der Hunde an den Schafen von vornherein unterbinden, dieses könnte vor allem in der "Rüpelphase" ab etwa der 16. Woche auftreten. Was man dann schludern lässt, kann man nur sehr schwer später wieder abstellen.

 

 

Wir legen großen Wert auf grundsätzlich freundliche Hunde, die trotzdem zuverlässig ihre Arbeit machen. Diese Wesenszüge haben wir zum einen in den Eltern unserer Kangals gefunden, aber auch in unserer Ausbildung legen wir großen Wert darauf, die Hunde so zu erziehen. Trotz ihres noch jungen Alters zeigen die beiden schon deutlich, was wir von ihnen erwarten, wenn z.B. Spaziergänger mit Hunden an den Schafen vorbeigehen. Wenn sie auch gegen einen Wolf jetzt noch keine Chance hätten, sind sie doch bereits auf einem gutem Weg und arbeiten besser, als wir es erwartet haben. Bis ein HSH zum Wolfsschutz voll einsatzfähig ist, vergehen allerdings gut 2-3 Jahre, für den "normalen" Herdenschutzfall sind sie jedoch schon gut gerüstet.

Hier stellen sie (im Alter von neun Monaten) eine mögliche Bedrohung.

 

 

Die Kangal-Welpen Frieda und Greta lernen gerade das Leben in der Herde. Allen Welpen die angelernt werden stehen dabei erfahrene Althunde zur Seite, die ihnen - hoffentlich... - dann auch erfolgreich vorleben, wie sich ein Herdenschutzhund in seiner Herde verhält.

Hier begleitet eine Pyrenäenberghündin Spaziergänger entlang des Zaunes.

 

 

Schritt für Schritt schreitet die Sozialisierung zwischen Hunden und den Schafen und Ziegen voran. Man nutzt mittlerweile gleich- zeitig gemeinsam den schattigen Unterstand.

 

Siesta - Hunde und Schafe halten gemeinsam Mittagsstunde. Im Hintergrund eine Hundehütte. Sie nutzen sie zwar nicht, ist aber Vorschrift. Nur die Lämmer nutzen sie gerne mal bei schlechtem Wetter oder zum Toben.

 

 

Kontaktaufnahme des Welpen zum Lamm - sobald sie "etwas dicker" miteinander sind, muß man noch genauer darauf achten, dass hieraus kein übermütiges toben entsteht, bzw. auf Lämmerohren oder -schwänzen rumgekaut wird. Jegliches Fehlverhalten muß sofort unterbunden werden, sonst bekommt man es später nur schwer korrigiert. Hierbei muß man bedenken, dass dieses nicht nur in den Welpenrüpelphasen auftreten kann, sondern auch in der Pubertät. Dies erfordert viel Zeit und eine gute Beobachtungsgabe.

 

Kangal-Bunker - Kangals buddeln für ihr Leben gern teils riesige Löcher, daher sind sie auf Deichen oder auf Flächen für Grassilage eher ungeeignet. Dieses Loch war bei ihrem Umzug so groß, dass ein ganzes Mutterschaf hinein passte.

 

Heutzutage unerlässlich - auch wenn sich die Wenigsten an die auf den Hinweisschildern genannten Verhaltensregeln halten, sollte man an jeder Zuwegung Warnschilder aufstellen.


 

Bei unserer angestrebten Herdengröße und den hiesigen Strukturen müssen wir künftig mindestens neun Herdenschutzhunde einplanen. Das bringt nicht nur enorme Kosten von ca. 1.000€ pro Hund und Jahr mit sich, denn für HSH gibt es hier in Niedersachsen - im Gegensatz zum von vielen willkommen geheißenen Wolf - keine finanziellen Fördermittel, obwohl die Schafe eben genau diese Gebiete pflegen, in denen sich auch der Wolf wohlfühlt und die für den Naturschutz unerlässlich sind. Auch bedeutet dies für den Schäfer eine Menge mehr Arbeit und Verantwortung um seine Tiere zu schützen.
In Hamburg und Hessen z.B. gelten Kangals als gefährliche Hunderasse, dabei ist es im Grunde der verantwortungslose Halter, der gefährlich ist. Für Schafhalter in diesen Bundesländern wird es dadurch noch schwieriger als es ohnehin schon ist, geeignete HSH zu finden und auszubilden, denn diese Hunde dürfen zum einen auf gar keinen Fall in eine für den "Hundeführerschein" zugelassene Hundeschule, noch kann bei ihnen der von den Behörden angewendete Wesenstest so angewendet werden, da diese Hunde völlig anders arbeiten. In Niedersachsen ist es glücklicherweise so, dass diese Einstufung nach Empfehlung der TiHo Hannover am jeweiligen einzelnen Tier beurteilt wird und nicht an der Rasse. Womit die Fähigkeit des Halters oder Ausbilders wieder ins Spiel kommt! Dieses ist zwar vermutlich auch noch nicht die Ideallösung, aber allemal besser, als entsprechende Rassen von vornherein zu verbieten. Mögen die Verantwortlichen für diese Gesetze mal drüber nachdenken und sich entsprechend informieren!

Unsere Welpen werden OHNE Papiere der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde abgegeben, da sich die AG beharrlich weigert, andere Rassen als Pyrenäenberghund und Maremmano im Zuchtbuch aufzunehmen, obwohl ihre Satzung etwas anderes besagt und die Zuchtwartin der AG den größten Teil unserer Hunde bereits gesehen und für geeignet beurteilt hat. Da wir eben wegen der Kangals der AG beigetreten sind, bedarf es hier noch einiger Klärung. Wahrung der Rassenvielfalt sieht anders aus!!!

 

 

 

 

 

 

Hier stellen wir Ihnen unseren "aktiven" Herdenschutz vor!

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen Herdenschutzhunde einzusetzen und bevor Sie sich die Bilder der Hunde ansehen, sollten Sie sich die Zeit nehmen und den folgenden Artikel zu Herzen nehmen!

Pro & Contra HSH, oder Wer, Wie, Was?!

Das dauert jetzt wohl etwas länger mit Lesen, soll aber eine kleine Hilfe bei der Entscheidung sein, ob man sich einen Herdenschutzhund anschafft oder eben nicht und für welche Rasse man sich entscheidet. Der nachfolgende Text spiegelt ausschließlich unsere Erfahrungen mit unseren inzwischen sieben Herdenschutzhunden dar, die wir alle mit verschiedener Altersstufe und Herkunft bekommen und angelernt haben. Dies soll keine Bibel über HSH werden, ich bin auch nicht der HSH-Papst und jeder muß für sich selber herausfinden, was für ihn die beste Variante ist.

Es gibt kein Patentrezept und erst recht keine Garantie!!!

Ob man sich einen oder mehrere HSH anschafft, oder seine Herden allein durch aufwändigen Zaunbau schützen kann, muß natürlich jeder für sich selber entscheiden, Hauptkriterium ist schlicht die betriebliche Struktur. Einen HSH zu halten ist auch nicht jedermanns Sache und ist nicht überall unproblematisch.
Diese Hunde leben weitestgehend selbstständig und treffen ihre Entscheidungen damit auch selber, sind durchaus stur und besitzen keinen "Kadavergehorsam".
Sich abzeichnendes Fehlverhalten muß oftmals zeit- und nervenaufwändig korrigiert werden. Manch einer, für den es betriebswirtschaftlich nicht unbedingt Sinn macht, solche Hunde zu halten, hat hier aber eine Passion für sich entdeckt und leistet durchaus gute Zucht- und Ausbildungsarbeit mit seinen Hunden.

Fakt ist, beides kostet viel Geld!

Wir haben uns für die Anschaffung von Herdenschutzhunden entschieden, weil unsere Schaf- und Ziegenherden zum einen sehr abgelegen in den "Wolfsgebieten" stehen (ein Wolfsgebiet kann im Grunde in naher Zukunft fast überall in Deutschland sein), zum anderen stehen diese Herden an bis zu sechs Standorten gleichzeitig und müssen aufgrund der Geländestruktur der Flächen mit mobilen Zäunen (Hütenetze) gekoppelt werden. Dort kann man keine "wolfssicheren" Zäune bauen, die es bei mobilen Zäunen, egal wie hoch sie von den Herstellern angepriesen werden, sowieso nicht gibt. So etwas ist bei Betrieben wie uns in der Landschaftspflege weder technisch noch von der Arbeitsbelastung her möglich.

Wer das nicht glaubt, kann gerne an einem der Herdenschutzlehrgänge des NABU teilnehmen, die jährlich stattfinden und deren praktischer Teil in unserem Betrieb durchgeführt wird.

Wenn man z.B. 2-3ha normales Grünland hinter dem Haus hat, könnte man sich die Hunde sparen und lieber die Koppel vernünftig sicher einzäunen. Auch wenn man nicht hütet und nur einen Standort hat, würde man vermutlich bei gleicher Kopfzahl mit nur zwei Hunden auskommen. So ist es in unserem Fall aber nicht!

Aber egal warum, für welche Rassen und zu wie vielen HSH ich mich entscheide, es kann nicht sein, dass ich mich deshalb gegenüber wem auch immer rechtfertigen muß. Dafür habe ich meine Gründe, Punkt!!!

Im Idealfall informiere ich mich im Vorwege intensiv bei Haltern von arbeitenden Herdenschutzhunden über diese Tiere. Natürlich gibt es auch die Variante, dass mir die Weisheit in die Wiege gelegt wurde, hier werde ich aber mit solchen Hunden schnell an meine Grenzen stoßen und dann möglicherweise einen dieser Hunde produzieren, der durch sein Fehlverhalten oder Unkontrolliertheiten in der Öffentlichkeit für das immer wieder auftauchende Bild der reißenden Bestie sorgt.
Das kann und darf nicht im Interesse des Halters sein, denn die Etablierung dieser Hunde wird in der Öffentlichkeit, Presse, Politik, Behörden und auch in den eigenen Kreisen - ohne Ahnung von HSH - teils sehr kontrovers und unsachlich diskutiert. Jeder HSH der tauglich für diesen Job ist, beweist eigentlich schnell das Gegenteil.
Es ist also durchaus sinnvoll und hilfreich, sich im Vorwege zu informieren, das Problem dabei ist nur, wenn man sieben Leute fragt, bekommt man mindestens zwölf Meinungen...

Besonders hilfreich sind da Ratschläge von Leuten, die teils sogar als offizielle Ansprechpartner von Vereinen und Organisationen genannt werden, die auch unbestritten theoretisches Wissen haben, aber selber weder Herdenschutzhunde - im Idealfall arbeitende - noch Nutztiere haben, die von diesen Hunden beschützt werden.

Da bekommt man nur theoretische Antworten, die einen nicht weiter bringen, teils sogar noch mehr verunsichern, ob es die richtige Entscheidung ist, sich einen HSH anzuschaffen.
Gespräche mit praxisorientierten Betrieben und Besichtigungen vor Ort bringen einen weiter und erweitern den Horizont, denn jeder arbeitet anders und hat damit für sich die beste Lösung gefunden.

Es gibt viele die behaupten, ein tauglicher HSH muss unter den Tieren geboren werden, die er beschützen soll. Das ist sicherlich der Idealfall, soll aber nicht heißen, dass dies die einzig richtige Herkunft für HSH ist. Der eine oder andere Halter hat auch schon bewiesen, dass sich auch Tiere aus dem Tierschutz oder von privat als HSH bewähren können.
Natürlich ist diese Variante riskanter in Sachen Wesen und Gesundheit, wenn man nichts über die Herkunft des Hundes weiß, und auch nicht unbedingt was für Anfänger. Es kann aber auch für den Hund die Lebensaufgabe bedeuten, die er schon immer gesucht hat und von der er gar nicht wusste, dass es sie gibt.
Natürlich kann es auch voll in die Hose gehen und man erlebt sein persönliches Waterloo.

Aber auch ein Hund aus anerkannter Arbeitslinie ist keine Garantie für einen geeigneten HSH, auch hier kann es - trotz aller optimaler Voraussetzungen, Sozialisierung und Ausbildung - mal passieren, dass sich ein Hund nach einiger Zeit, ggf. sogar wenigen Jahren dazu entscheidet, dass der Job als HSH einfach Scheiße ist und er lieber bei schönem Wetter Carport und Blumenbeet bewacht und bei schlechtem Wetter vorm Ofen liegt ohne Futterkonkurrenz von blöden, beratungsresistenten Schafen, die einem das Hundefutter klauen...
Manchmal reicht es einfach auch nur, solch einen Hund für einige Zeit aus der Herde zu nehmen, ihn diesem Kulturschock des Familienlebens im Haus auszusetzen und nach einiger Zeit wieder zu versuchen, ihn in seine Herde wieder einzugewöhnen. Das kann durchaus funktionieren.
Im Gegensatz zu manch anderen Haltern geben wir jedem Hund eine zweite Chance wenn er ein Fehlverhalten zeigt, das ihn eigentlich als HSH disqualifiziert.
Wir haben in unserer Arbeit mit HSH schon beide Varianten erlebt und erfolgreich gemeistert, nämlich den gut funktionierenden Hund aus dem Tierschutz, als auch den Hund aus Arbeitslinie mit optimaler Aufzucht, der irgendwann überfordert war, nicht mehr als HSH arbeiten wollte, eine Zeit lang ein anderes Leben führte und erfolgreich wieder eingegliedert wurde.

Es gibt hier aber auch Grenzen, denn ein HSH der z.B. über den Weidezaun, also seine Territoriumsgrenze springt und hier dann auch noch aggressiv auftritt, ist als HSH unter diesen Haltungsbedingungen nicht tragbar. Gleiches gilt für HSH, die ihren Job so ernst nehmen, dass sie sogar ihren Halter als Eindringling betrachten und unkontrollierbar sind.

Es gibt HSH-Halter die behaupten, ihr HSH macht keinen Blödsinn, er funktioniert top. Wer das generell behauptet, redet selbigen.
Jeder vertrauenswürdige Halter und Züchter kann einem auch von Dummheiten berichten, die der eine oder andere Hund schon mal gemacht hat, bzw. von eigener Dusseligkeit oder Missverständnissen im Umgang miteinander.
So etwas kommt nun mal besonders auch im ersten Lebensjahr vor und muß möglichst schnell erkannt und korrigiert werden. Das erfordert i.d.R. viel Zeit, Geduld, eine gute Beobachtungsgabe und Tarnung. Ein HSH, der weiß, dass der Chef ihn beobachtet, wird keinen Blödsinn machen.
Vertreter manch einer Rasse sind sogar Spitze darin, Herrchen stundenlang begeistert selber beim Beobachten zu beobachten...
Welche Rasse da wo besonders heraus sticht, dazu komme ich später!

Wir haben uns damals, als es bei uns Zeit wurde in Gang zu kommen, aus dem Grund für Kangals entschieden, dass es damals sonst keine anderen HSH-Welpen aus Arbeitslinie gab.
Für uns erwiesen sich diese Hunde prinzipiell als Glücksgriff, mit dem Wissen und der Erfahrung von heute würde ich aber sagen, dass diese Rasse nichts für Anfänger ist, insbesondere, wenn der künftige Halter keine Erfahrungen mit dickfälligen und äußerst eigenwilligen, aber hochsensiblen Hunden hat, die durchaus durch Temperament und Athletik eine sehr imposante Erscheinung sind. Ob man selber als Anfänger mit Welpen anfängt oder lieber dann weitaus teurere Junghunde nimmt, die ihre Flausen schon hinter sich haben, liegt sicher auch am eigenen Mut. Sicher ist aber, mit jedem neuen Hund lernt man dazu und jeder Hund ist anders. Entsprechend dessen muß ich mir u.U. bei jedem neuen Hund auch neue Erziehungsmaßnahmen einfallen lassen. Mit so was primitivem wie Leckerlis werde ich wohl bei den meisten dieser Hunde keinen Erfolg haben.

Wir setzen in unserem Betrieb zwei Rassen erfolgreich ein, Pyrenäenberghund (2x) und Kangal (5x), so entstanden eher zufällig, hat sich aber im Nachhinein als richtige Entscheidung herausgestellt. Jede HSH-Rasse hat ihre Vor- und Nachteile und jeder Betrieb muss für seine Strukturen selber entscheiden, welche Rasse zu ihm passt.
Vorsichtig wäre ich aber bei Rassebezeichnungen, die ich z.B. nicht über den VDH o.ä. recherchieren kann und die einen frei erfundenen Namen zu haben scheinen, besonders dann, wenn es sich um Kreuzungen handelt, wo nicht beide Seiten echte HSH-Rassen sind.
Auch von außerhalb eine Rasse zu empfehlen oder davon kategorisch abzuraten, ohne die betrieblichen Bedürfnisse zu kennen oder sich gar dafür zu interessieren, wäre seitens des Ratgebers höchst unprofessionell. Und dies vielleicht auch nur, weil der Ratgeber mit einer bestimmten Rasse schlechte Erfahrungen gemacht hat.

So etwas kann manchmal einfach nur an der Chemie liegen, weil man mit der Rasse auch aufgrund seines eigenen Charakters nicht zurecht kommt. Das heißt nun mal nicht automatisch, das der Hund oder die Rasse Schuld ist, hier muss man sich erstmal an die eigene Nase fassen, wenn man nicht zur Selbstüberschätzung neigt! Besonders fatal ist es dann, wenn diese auch noch in offiziellen Gremien als "Interessenvertreter" sitzen, in denen Behörden etc. beraten werden und diese damit Einfluss auf Förderrichtlinien usw. haben!

Wenn ich unsere beiden eingesetzten Rassen miteinander vergleiche, stelle ich zuerst einmal fest, dass sie sich äußerlich sehr unterscheiden, ohne jetzt auf die ganzen Unterschiede und Eigenschaften einzugehen. Das wesentliche Merkmal ist, der Pyrie ist langhaarig und der Kangal kurzhaarig.
Dieses Merkmal wird schon relevant, wenn man z.B. in der Landschaftspflege arbeitet und die Hunde dort ständig zwischen Heidekraut, Wacholdern, Brombeeren, Springkraut und sonstigen Pflanzen umher laufen und zum einen entweder ständig mit diesen Pflanzen oder deren Samen voll hängen, oder beim Fellwechsel überall ihre Fetzen hinterlassen. Dies kann durchaus dazu führen, dass sich der eine oder andere Spaziergänger daran stört und sich beschwert, oder die Naturschutzbehörde darüber stolpert. Da sind kurzhaarige Hunde dann durchaus von Vorteil!
Wenn man die beiden Rassen im Körperbau weiter vergleicht, stellt man schnell fest, dass z.B. der Pyrie eine eher schlaksige, behäbige Erscheinung ist, die aber jederzeit ein enormes Tempo aufnehmen kann. Der Kangal steht durch seinen athletischen, muskulösen Körper dem Pyrie in nichts nach, ist in stark unebenem Gelände jedoch anscheinend trittsicherer und kommt besser vorwärts.
Allerdings ist der Kangal in einer Hinsicht fauler (oder schlauer???), denn er hält es nicht für nötig bei jeder "Bedrohung" an den Zaun zu preschen und zu verbellen, er beobachtet oft erstmal, manchmal auch aus der Distanz und ohne zu bellen.
Ist er dann der Meinung, er müsse seine Show abziehen, macht er dies ziemlich eindrucksvoll, teils sogar auf den Hinterbeinen stehend um einen besseren Überblick zu haben. Meistens jedoch verhält er sich ruhig und leise, steht dann aber plötzlich vor einem, ohne dass man ihn bemerkt hat. Verstecken spielen und gegenseitiges Anschleichen zählt zu seinen Lieblingsspielen...
Und er kann mit wachsender Begeisterung beobachten, wie Herrchen versucht, sich vor ihm zu verstecken. Das macht die Ausbildung und das Beobachten bei Fehlverhalten teilweise zu einer echten Herausforderung und erinnert an das Indianer spielen aus Kindertagen...
Dem Pyrie ist das eigentlich relativ egal - bei seinem majestätischen Gehabe anscheinend auch unter seinem Niveau - und er vergisst meist nach einiger Zeit, dass er beobachtet wird. Ein klärendes "Gespräch" ist bei ihm auch durchaus eher von nachhaltiger Wirkung als beim Kangal.

Wenn wir zwischendurch immer wieder mal den "allgemeinen Freizeitbürger" in den stark frequentierten Touristen- und Naherholungsgebieten auf das Verhalten der Hunde ansprechen, wird der im Vergleich viel und heftig bellende Pyrenäenberghund als aggressiver wahrgenommen, als der Kangal. Beeindruckt und fasziniert sind sie aber von beiden Rassen und wir werden auch oft gefragt, warum jetzt der oder der Hund dort steht und wie es dem oder dem anderen geht.

Beide Rassen unterscheiden im Verteidigungsfall sehr deutlich, wer vertrieben werden soll. Der normale Spaziergänger ist da eher uninteressant, auch bei Joggern muß man nicht das volle Programm abrufen, wehe aber jemand macht hektische oder aggressiv wirkende Bewegungen, dann laufen diese Hunde zur Hochform auf.
Auf Schutzmodus wird auch insbesondere dann geschaltet, wenn sich z.B. ein Hund dem Territorium des HSH nähert. Ihm ist dann auch völlig egal, ob es sich dabei um einen Dackel oder Dobermann handelt. Mittlerweile nutzen einige Hundehalter sogar die Anwesenheit der HSH, um ihre eigenen Hunde im Verhalten gegenüber anderen bellenden Artgenossen zu trainieren. So kommt auf beiden Seiten keine Langeweile auf...
Sieht der HSH den selben Hund regelmäßig, und stellt er irgendwann fest, dass von diesem keine Bedrohung der Herde ausgeht (zumindest, so lange der fremde Hund außerhalb des Zauns bleibt), wird sich sein Abwehrverhalten meistens deutlich vermindern, möglicherweise beschränkt er sich sogar auf ein reines Beobachten.
Ein fremder Hund ist eine Bedrohung die ein HSH genauso einstuft, wie einen Wolf und wenn man bei allem "Wolfsbohei" mal ehrlich ist, die Zahl der Übergriffe auf Nutztiere durch wildernde Hunde oder zweibeinige Beutegreifer ist verhältnismäßig weitaus höher, als durch Wölfe, Luchse oder künftig vielleicht sogar Bären. Wie sich hier die Zukunft entwickelt, kann niemand seriös sagen und sich irgendwann zeigen.
Was vierbeinige Beutegreifer jeglicher Art angeht, kann man dem Kangal durchaus eine höhere "Griffigkeit" zuschreiben, gegenüber Menschen jedoch verfügt er über eine ausgesprochene Freundlichkeit. Was aber nicht bedeutet, dass er fremde Menschen in seinem Territorium ohne Beisein seines Chefs dulden würde.
In seinem Beisein jedoch neigt er dazu, geduldete und freundliche Zweibeiner zu erkuscheln, ohne dabei seine Arbeit zu vernachlässigen. Unsere Pyries verhalten sich hier eher misstrauisch und zurückhaltend. Besuchergruppen vom Kindergarten bis hin zu Busreisenden Rentnern begrüßen trotzdem alle unsere Hunde freundlich, wenn wir sie in der Herde empfangen.

Ein großer Nachteil der Kangals ist, dass sie für ihr Leben gerne buddeln, und zwar auch Bunkeranlagen in denen schon mal ganze Mutterschafe drin verschwinden können. Solche Hunde sind z.B. auf Deichen oder Mähweiden ungeeignet oder man bekommt zwangsläufig Stress mit dem Deichverband oder dem Schlepperfahrer, der durch die Kabine fliegt.
Aber auch Pyries buddeln durchaus mal, das dient dann aber eher zur Abkühlung im Hochsommer oder bei tragenden Hündinnen, um eine Wurfhöhle zu bauen, oder liegt eher am jungen Alter, als dass sie Hunger auf Wühlmäuse haben. Also passiert so etwas bei dieser Rasse eher selten.
Kangals haben eine Menge für`s Heimwerken übrig und sind fürchterlich neugierig, Werkzeuge wie Vorschlaghammer, Akkuschrauber oder auch nur Taschenlampen können sie immer gebrauchen...

Wir schätzen bei den Pyries das ruhige Wesen in der Herde, hier besonders in der Lammzeit, da unsere Pyries sich meist vorsichtiger bewegen und nicht wie ein Derwisch durch die Herde an den Zaun preschen und dabei ständig alle hoch tragenden Mutterschafe aufscheuchen. Ist er durch die Herde durch, hat er es dann allerdings umso eiliger, an den Zaun zu kommen...
Hier sorgt der Kangal durch sein Temperament eher mal für Unruhe, da er ab und zu vor Freude dass sein Chef ankommt, einfach mal überschüssige Energie loswerden muss und in großen Kreisen über die Koppel sprintet. Das legt sich zwar meist nach drei bis vier Runden wieder, denn er ist ja eigentlich faul..., aber während der Lammzeit kann man dieses Verhalten gar nicht gebrauchen!

Gute Hündinnen (Rasse egal) betüdeln auch Mutter und Lamm, helfen überforderten Erstlingen auch mal beim Lamm putzen und entsorgen mit Vorliebe die Nachgeburt. Allerdings lässt der Appetit darauf im Laufe der Lammzeit nach. Auch ein Hund will und kann nun mal nicht jeden Tag das gleiche und in dieser Menge fressen...
Für Rüden ist es die Erfüllung mehrmals täglich am Zaun zu patrouillieren und an der Grenze zu markieren. Hier sollte der künftige HSH-Halter darauf vorbereitet sein, beim Netze kontrollieren oder abbauen auch mal auf Tretminen von weicher Konsistenz zu treffen. Dies kann auf dem Heimweg im Fahrzeug zu Unmut unter den Mitarbeitern führen...
Eine emanzipierte Hündin markiert zwischendurch auch gerne mal und mit in die Herde genommene Reporter sollten bei solchen Hunden keine Stative aufstellen...
Wer die Herde füttert, sollte dafür sorgen, dass ein solcher Hund nicht an das Viehfutter kommt, gleiches gilt für Silorundballen als Welpenspielzeug!

Soweit erstmal der Stand der Dinge mit unseren Erfahrungen bei unseren Hunden in unserer Arbeitsweise!

Etwas gilt aber immer: Für die Ausbildung und Haltung solcher Hunde benötigt man viel Fingerspitzengefühl, eine gute Beobachtungs- und Auffassungsgabe, Zeit, Geduld, Ruhe und Humor!

Und zu guter letzt das wichtigste: Nicht verrückt machen lassen - von niemandem!!!