Von April 2011


Biogasanlagenbetreiber verdrängt Schäfereien vom Rheindeich bei Wesel


Große Erschütterung und Unverständnis hat die Entscheidung des Deichverbandes Poll beim Schafzuchtverband NRW hervorgerufen, den Rheindeich bei Wesel ab 2012 nicht mehr durch zwei Schäfereien, sondern durch den Betreiber einer Biogasanlage pflegen zu lassen.

Der Deichverband verspricht sich dadurch Pachteinnahmen und weniger Ärger mit Radfahrern, die sich von den Schafen auf dem Rheindeich angeblich gestört fühlten. Höchst fraglich ist allerdings, ob durch reine Mahd der Deichflächen eine dichte Grasnarbe, wie sie anerkannterweise durch die "goldenen Hufe" der Schafe erzeugt wird, erhalten bleibt und welche Auswirkungen die schweren Erntemaschinen auf den Deichkörper haben werden. An den Nordseedeichen jedenfalls setzt man weiterhin auf Schafbeweidung der Deichkörper, und dort sollte man es eigentlich wissen. Seit 20 Jahren haben die beiden Schäfereien kostenlos durch die Deichpflege für die Sicherheit der Menschen bei Hochwasser gesorgt und dabei auch gleichzeitig für ein abwechslungsreiches Landschaftsbild gesorgt. Nun werden sie der Erzeugung von Biogas geopfert. Hoffentlich wissen die Verantwortlichen des Deichverbandes, was sie tun!

Der Schafzuchtverband hat sich im Vorfeld der Entscheidung intensiv bemüht, den Deichverband von den Vorzügen der Schafbeweidung zu überzeugen und auf die Risiken einer Umstellung auf Mahd hinzuweisen, leider ohne Erfolg.

© Schafzuchtverband NRW 2011-04-19 17:32:57

Dazu unsere Meinung:

Die Entscheidung des Deichverbandes ist nicht nachvollziehbar, aber leider den Zeichen der Zeit entsprechend.

Obwohl für viele Menschen Schafe als ein Teil des Landschaftsbildes nicht wegzudenken sind, werden sie dennoch durch Entscheidungen wie diese immer weiter verdrängt.
Keine Schäferei kann es sich leisten, mit einem Biogasanlagenbetreiber zu konkurrieren, der - nicht zuletzt aufgrund hoher staatlicher Subventionen - Pachtbeträge zahlen kann, die für die Schäfereien unerschwinglich sind.

Wenn nun auch noch Naturschutzflächen für die Nutzung von Biogasanlagen freigegeben werden sollten, wie von der Bundesregierung im Rahmen der Förderung erneuerbarer Energien vorgesehen ist, wird die Zahl der Schäfereien weiter dramatisch zurückgehen.
Nicht genug dass immer mehr landwirtschaftliche Flächen zu Mais-Monokulturen werden,
teilweise verlieren sogar schon Landwirte ihre Pachtverträge weil Biogasanlagenbetreiber sie mit höheren Pachtzahlungen ausbooten.

Im Moment ist nicht absehbar, wohin diese Entwicklung noch führen wird, wir Schäfer beobachten sie jedoch mit großer Besorgnis, da uns mehr und mehr die Grundlage unserer Existenz entzogen wird.

Bleibt zu hoffen, dass die überwiegende Mehrheit der zuständigen Entscheidungsträger nicht nur "das $-Zeichen in den Augen haben", sondern wie beispielsweise an den Nordseedeichen auch weiterhin auf die bewährte Pflege der Landschaft durch Schafe setzen.

© Heidschnuckenbetrieb Benning