Die Schäferei Wümmeniederung besteht hauptsächlich aus der grauen gehörnten Heidschnucke (auch Lüneburger Heidschnucke genannt) sowie einigen, vom Aussterben bedrohten, weißen gehörnten Heidschnucken und Bentheimer Landschafen. Zur Zeit wird die Herde auch mit "Gebrauchskreuzungen" aus dem Bentheimer Landschaf und Suffolk erweitert. Betrieben wird die Schäferei von Holger Benning und seiner Frau Nicole.

Die Herden beweiden und pflegen im Umkreis von ca. 40 km vor allem Moor- und Heideflächen sowie Magerweiden, Grünland, aber auch Ackerland als Winterweide. Unser Revier ist dabei das Dreieck Scheeßel-Tostedt-Schneverdingen am nordwestlichen Rand der Lüneburger Heide. Zu den Landschafts- und Naturschutzgebieten die von unseren Herden gepflegt werden, gehören unter anderem auch die Vareler Heide, direkt an der B-75 zwischen Scheeßel und Lauenbrück, sowie die Naturschutzgebiete "Schneckenstiege" bei Stemmen und das Naturschutzgebiet "Obere Wümmeniederung" zwischen Königsmoor und Otter. Hier haben wir auch die mit Abstand meisten Flächen zur Beweidung. Zur Zeit erweitern wir unsere Herden sowohl im Gesamtbestand, als auch mit Ziegen und stellen langsam aber sicher von Neben- auf Haupterwerb um.

Seit Januar 2013 sind wir Bio-Betrieb nach EG Öko-Verordnung und arbeiten eng mit dem Biohof-Quellen (Wistedt), dem Hof Brockmann (Wesseloh) und dem Nebershof (Riepe) zusammen. Neben der Futterernte und der Lieferung von Schlachtlämmern, gehört da auch die Pflege deren Flächen über die Herbst- und Wintermonate mit unseren Schafen und Ziegen zu, da sie ein anderes Fressverhalten als Rinder haben. Hierdurch können u.a. auch Disteln, Brennnesseln oder Binsen bekämpft werden, aber auch Johanniskraut, Rainfarn, Jakobskreuzkraut, Farn oder weitere für andere Tiere schädliche Pflanzen verschmähen sie nicht. Im Januar 2014 wurden wir auch als Nutztier-Arche (Nr. 198) für vom aussterben bedrohte Nutztierrassen anerkannt. Geführt werden wir dort angepasst an die Region in der wir arbeiten, unter dem Namen Schäferei Wümmeniederung.

Wenn das Wetter es zulässt, laufen die Herden das ganze Jahr über in Koppelhaltung, wobei sie mit speziellen Steckzäunen von Koppel zu Koppel umgesetzt werden. Nur die trächtigen Muttertiere werden zur Lammzeit zwischen März und Mai auf einer Hauskoppel mit Schafstall gehalten und dort wegen des hohen Energiebedarfs gefüttert. Alle anderen, also nicht trächtige Jungtiere, Schlachttiere und Zuchtböcke, laufen in dieser Zeit weiterhin auf den Weideflächen. Lediglich bei längerem Dauerfrost oder relativ viel Schnee muss komplett aufgestallt werden, da dann die Hütenetze nicht mehr aufgestellt werden können. Zur Fütterung ernten wir von unserem Grünland Heulage, die Ernte übernimmt ein Lohnunternehmer und kaufen ggf. Heu von zwei Bio-Betrieben zu, die in der oberen Wümmeniederung Mutterkuhhaltung betreiben.

Damit eine stärkere Mutter-Lamm-Bindung zu Stande kommt, die frisch geborenen Lämmer bei schlechtem Wetter geschützt sind, und einige der Gesundheit dienenden Arbeiten durchgeführt werden können, kommen die Muttertiere mit ihren Lämmern für rund 24h in den Stall. Je nachdem, wie sich die einzelnen Lämmer entwickeln, werden sie dann mit ihren Müttern in die Herde gebracht, wo sie von ihren Müttern und der Herdengemeinschaft beschützt werden. Besonders Heidschnucken besitzen eine ausgeprägte Mütterlichkeit und sie zögern auch keine Sekunde, um ihre Hörner gegen mögliche "Lämmerdiebe" einzusetzen!

Von den Müttern verstoßene Lämmer werden bei uns selbstverständlich nicht ihrem Schicksal überlassen, sondern mühevoll rund um die Uhr mit der Flasche aufgezogen!
Alle unsere Zuchttiere erhalten Namen, wobei nicht nur die Klassiker wie Berta, Hilde oder Rita zu finden sind, sondern auch Tiere nach ihrem Charakter benannt werden, wie Zicke oder Diva.

Ziel unserer Haltungsform ist es robuste, gesunde und ursprünglich anspruchslose Tiere zu halten, die gut in ihrer Umwelt zurecht kommen. Ruhige und ausgeglichene Tiere, gute Mütter und wachsame Böcke sind uns wichtig, denn nur zufriedene Tiere sind auch gesund!

Das Fleisch der Heidschnucke zeichnet sich vor allem durch seinen wildartigen Geschmack aus. Wir lassen unsere Schlachttiere neben Braten, auch zu verschiedenen Wurstwaren und Grillfleisch verarbeiten! Geschlachtet wird je nach Bedarf in unregelmäßigen Abständen um unnötige Lagerzeiten zu vermeiden. Neben einigen Stammkunden beliefern wir auch den Hofladen des Biohof-Quellen und weitere Betriebe mit Direktvermarktung.

Inzwischen sind auch die ersten Herdenschutzhunde in unserem Betrieb im Einsatz und künftig wird sich auch ein Teil dieser Internetseite dem Wolf und Herdenschutz widmen, da unsere Tiere aufgrund der Gebiete in denen sie für die Natur arbeiten auch von Fachleuten als besonders gefährdet eingestuft wurden und Ziel eines Wolfsangriffs werden könnten, was wir natürlich so gut es geht vermeiden wollen. Inzwischen gibt es in Niedersachsen mehr als zwanzig bestätigte Wölfe, davon die meisten in direkter Nähe zu unseren Herden und niemand kann sagen, wie viele es wirklich sind. Da es bereits die ersten gerissenen Schafe in den Nachbarlandkreisen Heidekreis und Cuxhaven gibt, auch die ersten im Landkreis Rotenburg, müssen wir uns damit zeit- und kostenintensiv befassen, und zwar bevor es zu Rissen und weiteren Folgeschäden kommt. Darum arbeiten wir auch eng mit dem "Freundeskreis freilebender Wölfe e.V." und dem "Schäferinformationsdienst" zusammen, um immer auf dem Laufenden zu sein. Wir haben uns ganz bewusst für einen Wolfsberater aus diesem Verein entschieden, da sie jahrelange Erfahrung mit Wölfen und Herdenschutzmaßnahmen in der Lausitz haben und dadurch als Ansprechpartner für Schafhalter und Schäfer unserer Ansicht nach am besten geeignet sind.

Die Pflege von Landschafts- und Naturschutzgebieten ist ohne Schafe gar nicht möglich. Auch die Lüneburger Heide würde es in dieser Form, einer vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaft, nicht geben, ohne dass täglich tausende Heidschnucken mit ihren Schäfern durch die Heide ziehen. Gleiches gilt auch für alle anderen Landschaften in Deutschland, egal ob Deich, Alm oder Streuobstwiese. In den letzten Jahren ist bundesweit ein dramatischer Rückgang der Schafherden zu verzeichnen. Es sind immer weniger Schäfer, egal ob Hobby, Nebenerwerb oder Vollerwerb in der Lage, bei extrem ansteigendem Zeitaufwand für Bürokratie und immer niedrigeren Preisen für Fleisch und Wolle die laufenden Kosten (Futter, Kraftstoff, Tiergesundheit, Seuchenkasse, Berufsgenossenschaft, Herdenschutzmaßnahmen usw.) überhaupt noch decken zu können. Auch die einzige noch halbwegs lohnende Einnahmequelle, nämlich öffentliche Fördergelder für Naturschutz und Landschaftspflege, wird immer weiter gekürzt, bzw. ganz gestrichen. Vor allem Kommunen sind immer seltener bereit, für die Pflege ihrer Flächen finanzielle Mittel bereit zu stellen, so kann kein Naturschutz funktionieren!

Landschaftspflege gibt es nicht zum "Nulltarif", harte und ehrliche Arbeit muß fair bezahlt werden. Auch hierin liegt ein Grund, warum es immer weniger Schafe, vor allem alte Landschafrassen gibt und immer mehr Betriebe aufgeben müssen!

 

Unser Betrieb